Transnationaler Migrant_innen-Streik,1. März, Brenner

Transnationaler Widerstand gegen trinationale Flüchtlingsabwehr am Brenner!

Kundgebung Brenner

Fotos Plattform Bleiberecht

Kundgebung Brenner

Anlässlich des Transnationalen Migrant_innen-Streiks am 1. März 2015 kamen zum ersten Mal
Aktivist_innen aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz an der Brenner-Grenze zusammen, um die Politik der Flüchtlingsabwehr sichtbar zu machen: Transnationaler Aktivismus als gemeinsames Zeichen gegen die trinational-organisierte Abschiebepolitik! Über 200 Menschen zogen vom Bahnhof Brennero zur Staatsgrenze am Kreisverkehr, unterstützt von den Klängen des Street Noise Orchestra aus Innsbruck.

Mit „Freie Fahrt über den Brenner“ (Plattform Bleiberecht Innsbruck) und „Ein besseres Asylsystem ist möglich“ (OEW, Alexander Langer Stiftung, Netzwerk für die Rechte der Stimmlosen u.a. Organisationen aus Südtirol) riefen die Organisator_innen aus Italien und Österreich zu einer gemeinsamen Aktion am Brenner auf, und ein Umdenken der aktuellen EU Asyl- und Aufnahmepolitik zu fordern.

Der (mobile) Brenner ist heute eine jener innereuropäischen Grenzen, die die Problempunkte der aktuellen europäischen Asyl- und Aufnahmepolitik aufzeigen. Aufgrund von Rückführungsübereinkommen zwischen Italien und Österreich, des Dublin III-Regimes und Abkommen zur transnationalen polizeilichen Zusammenarbeit, wurden 2014 rund 6.000 Flüchtlinge von der österreichischen Polizei nach Italien an den Brenner zurückgeschoben.
Seit November 2014 werden Personen ohne gültige Dokumente durch trilaterale Polizeipatroullien (deutsche, österreichische und italienische Polizist_innen) auf italienischem Territorium,  hauptsächlich auf den Eurocity Zügen Verona-München, noch vor ihrer Ausreise aus Italien des Zuges verwiesen, häufig in Bozen.

An der Staatsgrenze wurden in Redebeiträgen die Stationen der sogenannten „Brenner-Route“ erklärt, um Problempunkte aufzuzeigen und gleichzeitig deutlich zu machen, wie wichtig diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit „von unten“ ist.

* Trento: Polizist_innen der trilateralen Patrouillen – bestehend aus deutschen,  österreichischen und italienischen Beamt_innen –  steigen meist dort in die internationalen Reisezüge nach München ein und kontrollieren die Reisenden mittels „racial profiling“.

* Bozen-Bolzano: Seit November hat sich die „Brenner-Grenze“ nach Bozen verschoben: Menschen auf der Flucht mit gültigem Fahrticket aber ohne Aufenthalts- oder Ausreisepapiere werden des Zuges verwiesen und zum Bahnhofspolizei gebracht. Während eine Überarbeitung des Asyl-Rechtsrahmens dringendst notwendig wäre, wurden hingegen die Kontrollen intensiviert: sie machen die Flucht der Menschen nur länger, aufreibender, teurer, unsicherer – auch innerhalb Europas.

* Brenner(o): Polizist_innen der trilateralen Kontrollen steigen hier aus dem Zug aus – für den Großteil der Menschen auf der Flucht endet ihre Reise hier vorzeitig. Am Bahnhof finden sich Menschen, die in einem anderen Europäischen Land um Asyl ansuchen wollen: Einzelpersonen, Familien, Kinder, die zum Teil auch ihre Familienmitglieder erreichen möchten, aber auch
Menschen die Italien verlassen möchten, weil sie kein funktionierendes Aufnahmesystem vorfinden. Am Bahnhof finden sich auch jene Flüchtlinge ein, die in Österreich aufgegriffen und nach Italien an die Grenze zurückgebracht werden.

* Plon: Im Anhaltezentrum Plon werden die in Österreich aufgegriffenen Flüchtlinge festgehalten bevor sie den italienischen Behörden übergeben werden. Über unabhängige Rechtsberatungsangebote werden sie nicht informiert.

* Innsbruck: In Innsbruck sind Kontrollen und reisende Flüchtlinge wenig in der Öffentlichkeit präsent – der Großteil von ihnen wird bereits vorher angehalten. Innsbrucker Initiativen fordern eine unabhängige Rechtsberatung im Anhaltezentrum Plon: Mitarbeiter_innen von Flüchtlingsberatungsstellen wird der Zugang bis dato verwehrt.

* München: Am Bahnhof in München herrscht Überforderung. Viele Flüchtlinge gelangen an den Bahnhof, bei vollen Notschlafstellen sind viele gezwungen auf der Straße zu schlafen, auch Kasernen wurden bereits zu Übergangs-Schlafstätten umfunktioniert.
Bayern übt Druck auf Österreich, Österreich wiederum auf Italien aus, die Grenzkontrollen zu verschärfen. Das Ergebnis sind verstärkte Kontrollen von Polizist_innen auf der Brenner-Route.

Es war ein lautstarkes, gemeinsames Zeichen antirassistischer Organisationen und Einzelpersonen aus Italien, Österreich, Deutschland und der Schweiz gegen das EU-Grenzregime. Wir werden weitermachen!

Wir fordern angesichts dieser Situation

  • Die Dublin-Verordnung muss fallen – freie Wahl des Aufnahmelandes  für Flüchtlinge.
  • Unabhängige rechtliche Beratung im Anhaltezentrum Plon.
  • Globale Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte für alle Menschen!

Ausgewählte Medienberichte

TT (2.3.2015): Flüchtlings-Aktivisten demonstrieren für offene Grenzen
Der Standard (2.3.2015): Brenner: Protest gegen „rassistische Grenzsicherung“
salto.bz (1.3.2015): Refugees are welcome here
salto.bz (27.2.2015): Wie ist die Flüchtlingslage in Nordtirol?
Bezirksblätter (1.3.2015): Knapp 200 Menschen demonstrierten am Brenner

 

Zum Nachlesen: Geschichte-1Maerz-2015

Nachtrag: Beitrag im Augustin vom 17.03.2015: Brenner, öffne dich!

Veröffentlicht in 2015

Transnationaler Migrant_innen-Streik 2015

Brennero aperto – Freie Fahrt über den Brenner

Maerz

Sonntag, 1. März 2015 – Transnationaler Migrant_innen-Streik

9.30 Uhr Bahnhof Innsbruck (Bahnsteig 41)*
10.30 Uhr Demonstration vom Bahnhof Brennero (Italien) zur Staatsgrenze
11 Uhr No-border-Aktion an Staatsgrenze Österreich-Italien, Bundesstraße Kreisverkehr
15 Uhr Theater und Information in der Bäckerei, Dreiheiligenstraße 21

* Aufgrund der rassistischen Gesetzeslage für Flüchtlinge ist eine Zugfahrt auf den Brenner nur für Menschen mit gültigen Reisedokumenten für Italien und Österreich möglich.

Fast 6.000 Flüchtlinge wurden letztes Jahr von der Tiroler Polizei an der Durchreise in den Norden gehindert und nach Italien „zurückgeschoben“. Seit November 2014 patroullieren deutsche und österreichische zusammen mit italienischen Polizist_innen als sog. Trinationale Kontrollen in Zügen auf italienischem Staatsgebiet und verweisen Flüchtlinge noch vor der Einreise nach Österreich des Zuges. Dadurch wurden die offiziellen Rückschiebungszahlen gesenkt. Und das „Problem“ für die Tiroler Politik ist nicht mehr so sichtbar.

Zum ersten Mal werden Aktivist_innen aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz in einer gemeinsamen transnationalen Aktion die „unsichtbare“ Grenze am Brenner(o) bestreiken und die Politik der Flüchtlingsabwehr von österreichischen und deutschen (Polizei)Behörden sichtbar machen. Mach mit!

Unabhängige Rechtsberatung ermöglichen!

Ein aktueller Entscheid des Europäischen Menschengerichtshofs (EGMR) erklärt Rückschiebungen von Familien und Menschen mit Beeinträchtigungen nach Italien als unzulässig bzw. nur nach eingehender Prüfung des Einzelfalls als möglich.
Ob die Polizei die Menschen rechtlich über ihre Möglichkeiten der Asylantragsstellung aufklärt und die Zulässigkeit einer Rückschiebung überprüft, darf bezweifelt werden. Warum sonst verwehren sich die Polizeibehörden mit Vehemenz gegen den Zugang von unabhängigen Rechtsberater_innen zum Anhaltelager Plon, in dem Flüchtlinge festgehalten werden, um sie den italienischen Polizeikräften zu übergeben?

Dublin-Verordnung muss weg!

Das Dublin-Regime, wonach jener Mitgliedsstaat für das Asylverfahren zuständig ist, in dem die Person das erste Mal polizeilich erfasst wurde, bedeutet ein massives Ungleichgewicht innerhalb der EU. Während die (reichen) Staaten des Nordens – hier vor allem Deutschland, Frankreich und Österreich – sich massiv gegen eine Neuregelung der europäischen Flüchtlingspolitik aussprechen, kollabieren in den von der Krise des Kapitalismus schwer angeschlagenenen Staaten des Südens die rechtlichen und humanitären Unterstützungssysteme für Menschen auf der Flucht. Nach Griechenland besteht seit 2011 eine EU-weites Abschiebeverbot, weil die Zustände dort für geflüchtete Menschen selbst nach EU-Kriterien unannehmbar katastrophal sind.

Warum 1. März?

Am 1. März, dem Tag des Transnationalen Migrant_innen-Streiks, machen wir die für viele Menschen „unsichtbare“ Grenze am Brenner(o) wieder sichtbar. Durch den Transnationalen Migrant_innen-Streik jährlich am 1. März machen Flüchtlinge und Zuwander_innen seit einigen Jahren gemeinsam mit solidarischen Unterstützer_innen darauf aufmerksam, dass sie in allen Bereichen ungleicher Behandlung, fehlenden sozialen und politischen Rechten und Repression unterliegen. In Innsbruck/Tirol steht dieser Tag bereits zum fünften Mal im Zeichen des solidarischen Kampfes für gleiche Rechte aller Menschen.

Wir fordern:

* Die Dublin-Verordnung muss fallen. Freie Wahl des Aufnahmelandes für Flüchtlinge!
* Unabhängige rechtliche Beratung im Anhaltelager Plon!
* Globale Bewegungsfreiheit!
* Gleiche Rechte für alle Menschen!

No border! No nation!
Stop deportation!

Plattform Bleiberecht Innsbruck

 

Veröffentlicht in 2015

Transnational Migrant Strike – 2015 (engl.)

Brennero aperto – Free passage across Brenner

Maerz

Sunday, 1st of march – Transnational Migrant Strike

9:30 a.m. Trainstation Innsbruck (Plattform 41)*
10.30 a.m. Demonstration from Trainstation Brennero (Italy) to the Border
11 a.m. No Border Action at the Border between Austria and Italy, Bundesstraße, Round-about
3 p.m. Theatre and Information at Bäckerei, Dreiheiligenstraße 21

* according to the impact racist laws have on refugees, taking the train is only possible
for people with valid documents for Italy and Austria

Nearly 6 000 refugees have been stopped last year by the Tyrolean police on their way north and have been pushed back to Italy. Since November 2014 the German, Austrian and Italian police patrol trains on Italian territory together in trinational controls, expelling refugees from the train before they even enter Austria. This caused the decrease of official push-backs, rendering the „problem“ for Tyrolean politics less visible.

For the first time, activists from Germany, Austria, Italy and Switzerland will be on strike at the „invisible“ border at Brenner(o) to make visible the politics of refugee warding carried out by Austrian and German (police) authorities. Join us!

Make independent legal advice possible!

A recent decision of the European Court of Human Rights (EctHR) declared push-backs illegal that affect families and people with impairments if they had not been carefully considered as individual cases.
That the police is informing people who escaped about their legal possibilities during the asylum application or is concerned about the legality of the push-backs, is to be doubted. If so, why would the police authorities reject accessibility to independent legal aid for the detention center in Plon, where refugees are imprisoned in order to be transferred to the Italian police?

Abolish the Dublin-Regulation!

The Dublin-Regulation, declaring EU-member states to be in charge of the asylum procedures as soon as the police records persons on their territory, leads to a massive imbalance between the different member states of the EU. While (rich) countries of the north – especially Germany, Austria, France – massively reject a new regulation of European refugee policies, the humanitarian and legal support structures for refugees are collapsing in southern countries, which are currently deeply affected by the capitalist crisis. Since 2011 deportations to Greece are declared illegal, as the living conditions for migrants are unbearably catastrophic even according to EU-Criteria.

Why 1st of March?

The 1st of March is the Transnational Migrant Strike day. We want to make the „invisible“ border at Brenner(o) visible again to many people. This day is chosen by migrants, refugees and people in solidarity to call attention to the refugees‘ and migrants‘ condition of unequal treatment, missing social and political rights and repression. It is taking place for the fifth time in Innsbruck/Tyrol as a sign of struggle in solidarity for equal rights for every human being.

We demand

* Abolish Dublin-Regulation. Free Choice for Refugees to choose their country of destination!
* Independent legal aid at the detention center in Plon!
* Free Movement everywhere!
* Same rights for every human!

No border! No nation!
Stop deportation!

Plattform Bleiberecht Innsbruck

Veröffentlicht in 2015

Abschiebungen und Widerstand

Film- & Diskussionsabend

Freitag, 9. Jänner 2015 um 20 Uhr
Café Decentral, Hallerstraße 1, Innsbruck

Das Protest Productions Collective verarbeitet die Erfahrungen mit dem hiesigen staatlichen Migrations- und Asylsystem und dem Ausschluss vom „normalen“ Leben, aber auch die Möglichkeiten widerständigen Handelns in mehreren Kurzfilmen:

„The Dinner“ (15 Min.):
Am Beginn von „The Dinner“ steht eine Verabredung zum Abendessen zu zweit. Alles läuft gut – wäre da nicht die Polizei und ihre „Erkenntnisse“ aus stundenlangem Telefonabhören. Und schon wird ein banaler Lebensmitteleinkauf zur Lieferung heißer Ware …

„How to stop a deportation – I ain’t getting on no plane!“ (15 Min.)

Flughafen Wien-Schwechat: ein Knotenpunkt für Fernwehgeplagte und globalisierte Geschäftsbeziehungen. Doch viele Menschen besteigen das Flugzeug unter Zwang – sie werden abgeschoben. Der Film zeigt „Sicherheitshinweise“ für jene, die eine Abschiebung verhindern und solidarisch eingreifen wollen: „Don’t fasten your seatbelt“, „Stand up and refuse to sit down“, „Talk to the captain“ lauten einige der Empfehlungen.

Ein Film, der zum Widerstand anstiften soll, ein Film mit praktischen Beispielen, was du selbst tun kannst, um eine Abschiebung in einem Flugzeug zu verhindern. Solidarität geht sehr einfach, du musst keinE SuperheldIn sein!

Im Anschluss an die beiden Kurzfilme gibts eine Diskussion zur aktuellen Migrations- und Flüchtlingspolitik sowie zu antirassistischem Handeln und Unterstützen von Geflüchteten und Migrant_innen!

Ein Abend der Plattform Bleiberecht Innsbruck

Freedom of movement_web

1.März-Aktion am Brenner 2014, Plattform Bleiberecht

 

Veröffentlicht in 2015

Freie Fahrt über den Brenner!

Rückschiebungen nach Italien stoppen!

Am Mittwoch 10. Dezember ist der Internationale Tag der Menschenrechte. Bereits zum fünften mal organisiert die Initiative Bleiberecht, ein Zusammenschluss von 32 Organisationen, Aktionen an diesem Tag in Innsbruck. Heuer will die Initiative gemeinsam auf die Flüchtlinge, die nach Europa, nach Österreich und über den Brenner nach Tirol kommen aufmerksam machen – sie würden sonst wohl wieder im Vorweihnachtlichen Trubel untergehen.

# Dazu gibt es ab 11:00 bis 18:00 vor der Annasäule in der Maria-Theresien-Straße eine Aktion, in dessen Mittelpunkt das Theaterstück Silent Drama vom Kunstkollektiv Arterie & Freund*innen steht. Zudem gibt es gegen eine freiwillige Spende Punsch.
# Um 18:00 startet unser Film Macondo im Leokino zum Eintrittspreis von 4.-. Im Anschluss sprechen die Freedomseekers* über ihre Aktion vor dem Landestheater, bei der sie versucht haben, der Bevölkerung durch Gespräche ihre eigenen persönliche Flüchtlingsgeschichten zu erzählen.
Im Anschluss gibt es noch ein Buffet, zubereitet vom Integrationshaus.

Links

Freedomseekers: Freedomseekers auf Facebook
Hier findet ihr den beidseitigen Flyer mit den Hinweisen auf den Film und Infotext: Flyer Tag der Menschenrechte, Innsbruck 2014
Aktion Annasäule: Tag der Menschenrechte
Aktion Leokino: Ankündigung Film und Diskussion

Veröffentlicht in 2014

Asylwerberheim – Bürgelkopf in Fieberbrunn

Straflager am Bürglkopf muss sofort geschlossen werden!

Hier findet sich die Langversion unserer Aussendung (inklusive Quellenangaben) zum Angriff auf das Lager am Bürglkopf/Fieberbrunn: Schließung Bürgelkopf

BuerglkopfSchliessen

Foto: Plattform Bleiberecht

Im Bild die Forststraße zur „Bundesbetreuungseinrichtung“ Bürglkopf in Fieberbrunn/Tirol: auf 1.250 Meter Seehöhe gelegen, rund 10 Kilometer vom Dorfzentrum und 115 Kilometer von Innsbruck entfernt. Im Mai 2014 wurde das Flüchtlingsheim vom Land Tirol geschlossen. Kurz darauf übernahm das Innenministerium (BMI) den Standort als Außenstelle der Erstaufnahmezentren Thalham und Traiskirchen. Momentan sind zwischen 120 und 140 Flüchtlinge in den beiden Häusern und warten auf Zuweisung in die Bundesländer. Entgegen den gängigen Medienberichten sind auch Frauen und Familien dort untergebracht. Die große Mehrheit sind aber männliche Flüchtlinge.

Einrichtung zur Disziplinierung und Bestrafung

Viele der refugees (Flüchtlinge) warten hier schon seit über 2 Monaten auf eine Verlegung in ein anderes Flüchtlingsheim. Die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, sagen, sie fühlen sich am Bürglkopf wie in einem Gefängnis und wollen hier so schnell als möglich weg. Das Heim war schon in den dunklen Tagen des Logar-Regimes (der Tiroler Flüchtlingskoordinator bis zum Jahr 2010) eine Art Straflager, in welches unliebsame Flüchtlinge „transferiert“ wurden. Auch das BMI nimmt von dieser Möglichkeit Gebrauch und strafversetzt dort u.a. Menschen, die die repressive Flüchtlingspolitik des Bundes kritisieren. So auch zuletzt ein Mann, der wegen seines „aggressiven Verhaltens“ von der Bundesbetreuungseinrichtung Wien-Erdberg auf den Bürglkopf kam und mit uns in Kontakt steht.

Rassistischer Angriff!

In der Nacht vom 28. auf 29. Oktober 2014 (Dienstag auf Mittwoch) gab es einen versuchten Angriff von 5 Personen auf das Lager. Neben Feuerwerkskörpern und Schüssen, skandierten die Angreifer_innen rassistische Hassparolen. Hinter vorgehaltener Hand meinten Stimmen aus dem BMI und der Heimleitung am Bürglkopf unisono, dass es nicht auszuschließen sei, dass die Flüchtlinge selbst diesen Übergriff inszeniert hätten. Und dass ebenjener „Störenfried“ aus Wien-Erdberg dafür verantwortlich sei. Eine zynische „Objektivität“ der Herrschenden. Uns berichteten alle Menschen, mit denen wir gesprochen haben, dass sie nach dieser Nacht nicht mehr ruhig schlafen könnten und sich an die Situation in den Kriegsgebieten erinnerten, aus denen sie eigentlich zum Schutz davor geflohen seien. Aus diesem Grund organisierten die refugees vor Ort in der Nacht von Donnerstag auf Freitag einen Selbstwachschutz und übernachteten im Freien.

Wo ist das Polizeiauge blind?

Einige Tage später präsentierte die Tiroler Polizei vier Jugendliche/junge Männer (zwischen 17 und 21 Jahren) als geständige Täter, die nichts „rechtsradikales“ gemacht hätten, sondern nur wegen einem gestohlenen Handy auf den Bürglkopf gefahren seien. Die Ermittlungen wegen gefährlicher Drohung (§107) und Verhetzung (§283 StGB) werden jetzt an die Staatsanwaltschaft Innsbruck übergeben. Diese entscheidet, welche Tatbestände zur Anklage kommen. Die Polizei hatte nach der Festnahme gemeint, man(n) ermittle nur wegen gefährlicher Drohung. Der Treppenwitz: Obwohl die vier Täter zugeben, ausländerfeindliche Parolen skandiert zu haben, besteht für die Ermittler „kein rechtsradikaler Hintergrund für die Tat“.
Für uns stellen sich mehrere offene Fragen zu den polizeilichen Ermittlungen (in der Langversion).

Nicht alles ist Neonazi, aber sehr wohl rassistisch!

In den ersten Beurteilungen sprachen NGOs und antirassistische Blogs von einem Neonazi-Angriff. Wir sind ebenfalls der Meinung, dass der Angriff eine klar rassistisch motivierte Tat war. Ob es sich allerdings um eine organisierte faschistische Gruppierung handelt, die den Begriff „Neonazi“ rechtfertigen würde, darüber herrschen bei uns Zweifel. Eine solche Bezeichnung der Täter_innen würde gerade die (klein)bürgerlich ländliche Idylle entlasten und den Angriff einer Gruppe zuschreiben, die nicht mehr Teil eines bürgerlich-demokratischen Verfassungskonsens seien (Rechtsextreme). Faktum ist aber, dass rassistisches, sexistisches und faschistisches Gedankengut kein Randphänomen ist, sondern sich direkt „aus der Mitte“ der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft speist.

Wir fordern:

  • Die sofortige Schließung des Straflagers am Bürglkopf!
  • Die umfassende Aufarbeitung des rassistischen Angriffs und Verfolgung der Täter_innen!
  • Keine Verharmlosung rassistisch motivierter Gewalt auf Flüchtlinge und Migrant_innen!
  • Eine umfassende Überprüfung der Tätigkeit der ORS in allen Bundesbetreuungseinrichtungen in Hinblick auf Einhaltung grund- und menschenrechtliche Standards und einer angemessenen Infrastruktur!
Veröffentlicht in 2014

Fressen mit Moral

Die Plattform Bleiberecht kocht ohne Grenzen, von Portugal bis überall…!

Unter diesem Motto bereiten wir am Mittwoch 29. Oktober um 19 Uhr im Dinnerclub des Integrationshaus in der Gumppstrasse 71 (Ibk) folgende vegetarische grenzenlose Köstlichkeiten zu:

* Vorspeise: Hokkaido-Kürbis und Kartoffeln im Ofen mit Gewürzen und Joghurtsoße
* Hauptspeise: Vegetarisches Chili (sin) Carne in Tortillas mit gemischtem Salat
* Nachspeise: portugiesischer Orangenkuchen „d’Avó“

Das alles für die bescheidene Summe von 5 Euro pro Menü/Person!
Mit den Einnahmen unterstützt ihr unsere aktive, politische Arbeit für Menschen auf der Flucht.
Mehr unter: http://www.plattform-bleiberecht.at/

Bewegungsfreiheit für alle Menschen!
Kein Mensch ist illegal!

Damit die richtige Mengenberechnung erfolgt, bitte wir um Anmeldung, vor allem für Gruppen, unter: dinnerclub@caritas-integrationshaus.at

Hier ist das Programm für den Dinner Club für diesen Herbst: Dinner Club Herbst

Auf ein Kommen freuen wir uns!

Solidarische Grüße,
Plattform Bleiberecht

Veröffentlicht in 2014

Menschenjagd in Österreich

Die falsche Antwort auf Flüchtlingstragödie

Polizei am Bahnhof Ibk_web

Alltag am Innsbrucker Hbf: Polizist_innen bei der Flüchtlingsabwehr. Foto: Plattform Bleiberecht

Die Kriege sind weit weg…

Jeden Tag erreichen uns Bilder aus den aktuellen Kriegsgebieten im Nahen Osten. Weit weg ist für uns jedoch Syrien und der Irak. Zuerst hat der Westen – und damit auch wir – Waffen in die jetzigen Kriegsregionen geschickt, die jetzt den Krieg dort mitausgelöst haben. Menschen, die gerade vor der IS fliehen, nehmen die tödliche Flucht nach Europa auf sich.

Doch die Menschen sind nah…

Und sie kommen auch bis zu uns, zum Brenner, der keine Grenze mehr für UNS ist, aber immer noch für Flüchtlinge eine unüberwindbare Grenze darstellt. Aufgrund des Dublin-Abkommen ist in der EU jener Staat für das Asylverfahren zuständig, in dem Flüchtlinge zum ersten Mal EU-Territorium betreten: Reisefreiheit für EU-Bürger_innen, Bewegungsbeschränkungen für
Menschen auf der Flucht.

Rückschiebung statt Hilfe!

Doch anstatt ihnen humanitäre Hilfe anzubieten, werden Tag für Tag in Innsbruck Frauen, Männer und Kinder aus den Zügen geholt, von der Polizei abgeführt, ohne zu wissen, wo sie sind. Österreich, das acht-reichste Land der Welt sagt damit Nein zu tausenden Menschen, die unsere Hilfe benötigen würden. Sie werden auch noch kriminalisiert und nach Italien zurückgebracht. Sie werden es wieder versuchen. Das ist ihr gutes Recht!

Menschenjagd…

Die Großaktion von staatlichen Polizeiapparaten und der EU-„Grenzschutzagentur“ Frontex führt von 13. bis 26. Oktober zudem eine Schwerpunktaktion durch, um möglichst viele Flüchtlinge abzufangen. Unter dem zynischen Titel „mos maiorum“ (lateinisch für Sitten unserer Vorfahren) werden 18.000 Polizist_innen wieder verstärkte (Grenz)Kontrollen an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen „hot spots“ durchführen.*
Zusammen mit Flüchtlingsorganisationen in ganz Europa möchten wir alle Flüchtlinge davor warnen, an diesen beiden Wochen ihre Reise in eine friedlichere Zukunft fortzusetzen.

Dublin muss weg!

Angesichts einer der größten Flüchtlingsbewegungen reagieren die EU-Staaten mit einer verschärften Menschenabwehr. Die über 30.000 namenlosen Toten im Mittelmeer sind nicht nur eine menschliche Tragödie. Sie zeigen auch das Versagen Europas. Die Dublin-Regelung muss fallen.

Bewegungsfreiheit für alle Menschen!
Kein Mensch ist illegal!

* Die britische NGO statewatch hat das Dokument geleakt. Im österreichischen Parlament und auch in anderen Gremien ist das Dokument als geheim eingestuft: Statewatch

Reisewarnung für papierlose Migrant_innen in der EU zwischen 13. und 26. Oktober 2014

Reisewarnung Deutsch: Reisewarnung EU, de
Reisewarnung Englisch: Reisewarnung EU, eng
Reisewarnung Französisch: Reisewarnung EU, fra
Reisewarnung Italienisch: Reisewarnung EU, ita
Reisewarnung Arabisch: Reisewarnung EU, arab

In anderen Sprachen sind auf dieser Website die Reisewarnungen nachzulesen: Travelwarning

FreiRad hat in sieben Sprachen die Reisewarnung als Jingle: Reisewarnung – 13. bis 26.10.2014

Veröffentlicht in 2014

Internationaler Weltflüchtlingstag, 20. Juni 2014

Weltflüchtlingstag in Innsbruck

Zum vierten Mal veranstaltet die Initiative Bleiberecht, ein Bündnis von über 30 Organisationen, eine Demonstration und Fest zum Internationalen Weltflüchtlingstag am Freitag, 20. Juni. Bereits am Mittwoch, 18. Juni findet um 19 Uhr in der Kapuzinerkirche ein Ökumenischer Gottesdienst für die auf der Flucht gestorbenen über 30.000 Menschen statt.

Die Plattform Bleiberecht ist von Anfang an Teil dieses antirassistischen Bündnisses und unterstützt die Forderungen der Initiative Bleiberecht, hält aber gleichzeitig an weitergehenden Forderungen fest:

* Für die globale Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte aller Menschen!
* Für das Recht zu bleiben & das Recht zu gehen!

Ablauf & Programm

15:00 DEMO Umbrella March
vom Waltherpark (bei der Innbrücke) durch Innsbruck
Regenschirm mitbringen!

17:00 FEST Landestheatervorplatz
Musik, Speis & Trank aus aller Welt
mit n’tschaSKAna, madebyus, Balkan Fratelli Band,
Pentecost International Choir, Umut Folklore Gruppe, u.a.

Der WELTFLÜCHTLINGSTAG der Vereinten Nationen erinnert jedes Jahr am 20. Juni an die vielen Millionen Menschen, die durch Verfolgung, Krieg und Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen ihre Heimat verlassen mussten und immer noch müssen.

Zum zweiten Mal steht der Weltflüchtlingstag in Österreich im Zeichen des UMBRELLA MARCHS: In Zeiten, in denen wir nach wie vor für Banken Schutzschirme aufspannen, soll gezeigt werden, dass es wichtiger ist, für die Interessen und Rechte geflüchteter Menschen Partei zu ergreifen.

In Tirol werden die Veranstaltungen zum Weltflüchtlingstag und der Umbrella March von der INITIATIVE BLEIBERECHT getragen, einem Zusammenschluss von mehr als 30 Organisationen, die für die Anliegen von Flüchtlingen eintreten.

In diesem Jahr wird besonders auf die Situation von Flüchtlingen aus SYRIEN aufmerksam gemacht. Seit 2011 sind mehr als 2.7 Millionen Menschen vor dem bewaffneten Konflikt aus Syrien geflüchtet. Die meisten gelangten nur in die völlig überfüllten und meist nur prekärst ausgestatteten Flüchtlingslager im Libanon, der Türkei oder Jordaniens. Der Weg nach Europa ist ihnen nach wie vor sehr häufig verschlossen. Während Österreich einige hundert Flüchtlinge aus Syrien offiziell aufgenommen hat, wurden gleichzeitig allein 2013 1.153 SyrerInnen wieder aus Österreich zurückgeschoben – die meisten über die Grenze am BRENNER.

Syrische und andere Flüchtlinge brauchen ausreichende Unterstützung, dort, wo sie sich hin retten konnten. Aber sie brauchen mehr: Sichere Zugangswege auch nach Europa – die Möglichkeit und das Recht, in Ländern der EU einzureisen und gesicherten Aufenthalt zu bekommen – soziale und rechtliche Unterstützung in ihrer besonderen Situation – das Recht, in den Aufnahmeländern bleiben zu dürfen – und damit: das Ende der Rückschiebungen und Abschiebungen. Und sie brauchen, wie alle Menschen, die in Österreich leben: gleichen und uneingeschränkten Zugang zu Arbeit, Bildung, sozialen Leistungen und gesellschaftlicher Teilhabe.

Initiative Bleiberecht auf Facebook

Veröffentlicht in 2014

Michael Genner – Verleitung zum Aufstand

Buchpräsentation und Diskussion mit Michael Genner (Asyl in Not)

im Rahmen der Veranstaltungsreihe „[…] nicht dermaßen regiert zu werden.“
GennerBuchpraesentation
Dienstag, 29. April um 19 Uhr
Café DeCentral, Hallerstraäe 1, Ibk

„Es darf nicht sein, dass unsere Gesellschaft dauernd in zwei Gruppen mit mehr und mit weniger Rechten zerfällt: in die Klasse der Einheimischen und in die Klasse der Fremden. In der Diskriminierung der Minderheiten lebt der Faschismus fort. Der Rassismus ist der Faschismus unserer Tage.“

Mit diesem Zitat von Christian Broda, Justizminister in den Kreisky-Regierungen, beginnt Michael Genner sein autobiographisches, dezidiert politisches und widerständiges Buch „Verleitung zum Aufstand“. Auf kurzweiligen 254 Seiten fasst Michael Genner, langjähriger Rechtsberater und Obmann von Asyl in Not, die gesellschaftlichen Kämpfe von den 1960er Jahren bis heute zusammen. Michael Genners Biographie ist die eines „anderen“ Österreichs. Nicht immer schön und glatt, aber immer geprägt von den Gedanken an Demokratie, Menschenrechte, Antifaschismus und der Wut über die herrschenden ungleichen gesellschaftlichen Verhältnisse.

Im Anschluss an die Buchvorstellung diskutieren wir über Erfahrungen, Möglichkeiten und Grenzen von Protest und Widerstand gegen ein rassistisches System von Schubhaft & Abschiebungen.

Das gesamte Programm der Veranstaltungsreihe gibt es hier zum Download: Folder: Nicht so regiert zu werden

Die Veranstaltungsreihe wird von der Plattform Rechtsberatung in Kooperation mit der Plattform Bleiberecht und dem Italien-Zentrum der Universität Innsbruck organisiert. Gefördert von Jugend in Aktion, ÖGB Tirol, GPA-djp Tirol, Renner-Institut und Radio FreiRad.

Der Abend zum Nachhören im Archiv der freien Radios unter: Freirad – Verleitung zum Aufstand, Buchpräsentation

Veröffentlicht in 2014